Death in Venice, Staatsoper Hamburg

30. April 2009 Thomas Wüppesahl Allgemein

Liebe Interessierte, wertes Publikum,

gestern hatte ich gemeinsam mit einer Freundin das Vergnügen in der Hamburger Staatsoper die Oper „Death in Venice“, geschrieben von Benjamin Britten, inszeniert von Ramin Gray, am Pult die Hamburger Opernindentantin, Frau Simone Young, zu erleben. Es war märchenhaft schön eine moderne Oper in der Verschränkung des Schönheitsbegriffs der griechischen Antike, der Bürgerweltfassade Thomas Manns und der autobiografischen Faszination des Komponisten durch Knaben und junge Männer mit einem solchen Bühnenbild (incl. innovativer Elemente), passender Kostüme und einer Choreografie zu erleben, die mir an gleich mehrfach Schauer über den Rücken laufen ließ.

Es gelang den Mitwirkenden den von so vielen in unserer Gesellschaft gelebten Spannungsbogen zwischen dem Wunsch nach gesellschaftlicher Stellung (und Anerkennung) und gleichzeitigem Erkennen viel zu vieler Falschheiten und damit verbundener Sublimierung eigener Authentizität und verdrängter Wünsche so auf die Bühne zu bringen, dass der konkret verdrängte Anlaß (Homosexualität) in vielfältigster Form auf andere kulturelle Verzichtsrituale und –mechanismen zu übertragen geht. Phantastisch. Jedem sei dieses Stück nur zu empfehlen.

Das zweitschönste war, dass mir als einnahmelosen mehr oder wenig aufgrund eines politischen Fehlurteils verurteiltem Mitbürger die Karte zu Euro 26,00 für einen Mittelplatz in der 10. Reihe im Parkett (alles vollkommen legal, nicht dass die OK-Staatsanwaltschaft in HaHa gleich wieder Anfälle bekommt) von einer anderen Freundin geschenkt wurde und meine mich begleitende Freundin auch noch sooo spendabel gewesen ist, dass wir in der Pause einen kleinen Imbiß zu uns nehmen konnten. Denn wie sonst hätte ich diese Genüsse für meinen Geist und meine Sinne ansonsten finanzieren können?

Die Aufführung selbst von 19:30 Uhr bis 22:30 Uhr war bereits Weltklasse und die vorzügliche Einführung durch die Chefdramaturgin des Hauses um 18:50 Uhr half beim rezipieren nochmals sehr. – Weitere Aufführungen: 2., 5. und 10. Mai 2009 sowie dann in 2010 wieder. Leute fahrt lieber nach HaHa, um Euch so etwas zu gönnen als zum Hafengeburtstag oder zu irgendeinem lärmenden und flachen Musical!

Meine letzten Besuche in der Hamburger Staatsoper in diesem Winter (alles Geschenke an einen einnahmelosen von der bundesdeutschen Strafjustiz zu Unrecht verurteilten politisch aktivem Menschen) waren mit der „Zauberflöte“, dem „Figaro“ und anderen Stücken, zu denen ich eingeladen worden war, bereits einfach spitze! Aber das gestern Abend war Weltklasse und Hochkultur in seiner werthaltigsten Aufbereitung und gelungensten Darbietung.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Wüppesahl


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